Hypoallergener Kleber für Wimpernverlängerungen: Mythos oder Realität? Erfahren Sie, wie Sie das Etikett lesen und die Chemie des Klebers verstehen
Jeden Tag erhalten wir viele Anfragen nach einem hypoallergenen Klebstoff, und oft werden unsere Experten zur tatsächlichen Hypoallergenität einiger Klebstoffe befragt, die in verschiedenen Online-Shops erhältlich sind, insbesondere solcher, die als „ohne Cyanoacrylat“ beworben werden.
In letzter Zeit sind die Auswahlmöglichkeiten überwältigend geworden. Es ist leicht, bei den Kriterien den Überblick zu verlieren. Die Entwicklung der chemischen Industrie und neuer Technologien hat so große Fortschritte gemacht, dass regelmäßig neue Produkte auf dem Markt erscheinen. Außerdem erklären nur wenige Kurse die Chemie des Klebstoffs oder zumindest seine Zusammensetzung, was die Sache zusätzlich erschwert.
In diesem Artikel möchten wir nicht nur den Mythos des „hypoallergenen“ Klebstoffs aufklären, sondern Ihnen auch die Werkzeuge an die Hand geben, um die Zusammensetzung des Klebstoffs vollständig zu verstehen, ohne ein Vermögen für einen Klebstoff auszugeben, der am Ende vielleicht gar nicht so anders ist als die anderen.
1. Cyanoacrylat
Beginnen wir mit der Komponente, die alle am meisten fürchten: dem „Cyanoacrylat“, dem großen Feind aller. Viele Lashmaker suchen nach klebstoffen ohne Cyanoacrylat. Wir werden versuchen, dieses Konzept so einfach wie möglich zu erklären.
Cyanoacrylat ist das, was einen Klebstoff tatsächlich zu einem Klebstoff macht und ihm ermöglicht, zu kleben. Ohne ihn wäre der Klebstoff kaum mehr als Wasser.
Punkt. Es gibt keine andere Erklärung.
Ester der Cyanoacrylsäure. Diese flüchtige Substanz sorgt für eine starke Haftung auf jeder Oberfläche, kontrolliert die Haftgeschwindigkeit, die Konsistenz und die Dauer. Cyanoacrylat macht etwa 90% der gesamten Zusammensetzung des Klebstoffs für Wimpernverlängerungen aus.
Die Familie der Cyanoacrylate ist umfangreich und umfasst verschiedene Varianten von Acrylaten: Alcoxy-, Ethyl-, Butyl-, Methyl-. Gleichzeitig können in der Klebstoffzusammensetzung eine oder mehrere Varianten von Cyanoacrylat enthalten sein.
2. Varianten von Acrylaten:
- Butyl-2-cyanoacrylat (Butyl-2-cyanoacrylate) wird in medizinischen Klebstoffen verwendet, da es hautverträglicher ist. Seine Haftgeschwindigkeit ist viel langsamer als die von ethylischem und methylischem Cyanoacrylat.
- Ethyl-2-cyanoacrylat (Ethyl-2-cyanoacrylate) ist eine moderne und sichere Form von Cyanoacrylat. Es ist in den meisten Klebstoffen für Wimpernverlängerungen enthalten. Diese Komponente reguliert die Verdunstungsmenge und die Haftfestigkeit. Je höher der Anteil dieser Cyanoacrylat-Kategorie in der Formel ist, desto größer sind die Haftfestigkeit, die Haltbarkeit und die Verdunstungsmenge.
- Methyl-2-cyanoacrylat (Methyl-2-cyanoacrylate) ist eine giftigere Substanz als Ethyl-2-cyanoacrylat. Je höher der Anteil von Methyl-2-cyanoacrylat in der Formel ist, desto schneller erfolgt die Haftung.
- Die Alcoxy-Cyanoacrylate (2-Methoxyethyl-2-cyanoacrylat und 2-Ethoxyethyl-2-cyanoacrylat) sind die sichersten Cyanoacrylate, die eine minimale Menge an Dämpfen erzeugen und praktisch keine Beschwerden verursachen. Die Polymerisationsgeschwindigkeit liegt jedoch bei etwa 2-3 Sekunden.

Doch das Marketing schläft nicht, und da alle Angst vor Cyanacrylat haben, wird es manchmal durch ein weniger beängstigendes Wort ersetzt: Polyacrylat (Polyacrylate). Schließlich gilt: Was das Auge nicht sieht, macht das Herz nicht weh, oder?
Aber Vorsicht, denn Polyacrylat ist nichts anderes als eine Gruppe von Estern, die vom Acryl-, Methacryl- und/oder Cyanacrylsäure abgeleitet sind.
3. Weitere Bestandteile des Klebers
Zusätzlich zum Cyanacrylat werden der Kleberzusammensetzung Verdickungsmittel, Stabilisatoren, Weichmacher, Farbpigmente und weitere Hilfsstoffe hinzugefügt.
Außerdem findet man in den Formulierungen Isopren, eine natürliche Basis, die den Kleber beim Trocknen elastisch macht.
Als Verdickungsmittel wird in den meisten Klebern Polymethylmethacrylat (PMMA) verwendet. Dieser Bestandteil beeinflusst die Dichte und die Klebegeschwindigkeit, hat aber praktisch keinen Einfluss auf die Verdunstung.
Je mehr PMMA in der Zusammensetzung enthalten ist, desto höher ist die Dichte und desto langsamer trocknet der Kleber.

4. Was tun, wenn ich oder meine Kunden allergisch sind?
Falls du allergisch auf Wimpernkleber reagierst, hier einige Maßnahmen, die du ergreifen kannst:
1. Einen Kleber mit geringerem Cyanacrylat-Gehalt wählen, diese Kleber tragen meist den Namen "Safety", zum Beispiel Barbara "Safety".
2. Immer einen Tropfenstopp verwenden, um zu verhindern, dass giftige Substanzen nach der Anwendung aus dem Tropfen verdampfen.
3. Einen Ventilator zum Absaugen der Dämpfe kaufen.
Für weitere Details, was bei einer Allergie gegen Wimpernkleber zu tun ist, siehe unseren Artikel "Lashmaker VS Allergie".
5. Fazit
Jetzt, wo ihr alle notwendigen Informationen habt, könnt ihr auch verstehen, dass es keinen hypoallergenen Wimpernkleber gibt; das ist einfach eine Marketingstrategie. Egal, welchen Namen die Hauptsubstanz trägt, das Cyanacrylat und seine Präsenz im Kleber verschwinden nicht.
WUSSTEST DU SCHON?
Früher, als der Beruf des Lash-Makers noch nicht so gefragt war und es nur wenige Varianten von Wimpernkleber gab, basierte die Zusammensetzung auf Harzen und Gummi. Allerdings war in der Formel Formaldehyd enthalten, eine sehr schädliche Substanz für Menschen. Das führte zu schlimmen Reaktionen: Die Augen tränten lange nach der Anwendung, wurden rot und entzündet, juckten... Heute ist eine solche Reaktion undenkbar. Formaldehyd wird schon lange nicht mehr verwendet, oder wenn doch, dann nur in Klebern von minderer Qualität und billigem Preis.

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Grazie